© 2008 Adam Piechowski In Öfen wird im Material eingelagerter Wasserstoff ausgetrieben

Ausbildungsberufe bei der Lufthansa Technical Training, Folge 6

Galvaniseur

Um den Belastungen des täglichen Flugbetriebs standhalten zu können, müssen Oberflächen von Flugzeugen extrem widerstandsfähig sein. Die 26-jährige Svenja Oeffling ist als gelernte Galvaniseurin für die Veredelung aller mechanischen Bauteile von Fahr- oder Triebwerken mit Schichten von Chrom, Cadmium, Silber, Nickel oder Eloxal und somit für deren Härte, Korrosions- und Verschleißschutz zuständig.

Galvaniseure bereiten verschiedene Badreihen vor und tauchen metallische Gegenstände zur Beschichtung hinein. Mit Hilfe elektrochemischer Vorgänge werden die Metalle – je nach gewünschter Eigenschaft – auf die Oberflächen aufgebracht, was in der Fachsprache als Galvanisieren bezeichnet wird. „Menschen, die sich für Chemie, Physik und Elektrotechnik interessieren, sind in der Galvanotechnik bestens aufgehoben“, weiß Svenja Oeffling aus Erfahrung.

Svenja Oeffling entfettet einen Spinner

Seit dem Jahr 2001 ist die ehemalige Realschülerin mit ihrer Ausbildung fertig und hat bereits erfolgreich die Fortbildung zur Galvanotechnikerin abgeschlossen. Nach zweijähriger Pause werden bei der Lufthansa seit August 2007 wieder Galvaniseure ausgebildet.

Nach dem Werkzeug-Grundkurs in der Ausbildungswerkstatt wird man verhältnismäßig schnell in die Praxis eingeführt. Wichtiges Hintergrundwissen vermittelt die Berufsschule im nordrhein-westfälischen Solingen. „Galvaniseure tragen eine hohe Umweltverantwortung“, so Oeffling. „Im Alltag haben wir es mit einer Vielzahl von giftigen und ätzenden Chemikalien zu tun. Daher muss man alles über den Abbau giftiger Stoffe beziehungsweise Elektrolyte wissen.“

Aufgrund der teils sehr aggressiven Säuren oder auch hoch temperierten Flüssigkeiten ist es bei vielen Tätigkeiten Pflicht, entsprechende Schutzkleidung bestehend aus Schutzbrille oder Gummihandschuhen zu tragen. Bei einigen Aufgaben muss auch ab und an der weiße Ganzkörperanzug mit Atemschutzfilter auf den Leib. Darin sieht man aus wie ein Raumfahrer und putzt die unendlichen Weiten der vorher leer gepumpten galvanischen Bäder. Eine eher unliebsame Aufgabe, doch das gehört nun mal dazu.

Vorbereitung von Kleinteilen für die Beschichtung

Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Beschichtung von Bauteilen durchgeführt wird und daher auch unterschiedliche Verfahren. So dienen das Vernickeln (Leichtbau), Chromatieren (Schlagfestigkeit), Cadmieren oder Eloxieren als Korrosionsschutz, wobei Letzteres ausschließlich bei Aluminium zum Einsatz kommt und in vielen Farben möglich ist. Durch Versilbern wird eine gute Wärmeleitung herbeigeführt, was beispielsweise die Hitzebeständigkeit von Schrauben erhöht.

Vor dem Galvanisieren kommen die Werkstücke in ein Reinigungs- und Klarspülbad, um jegliche Verunreinigungen zu entfernen. Damit wird ein gutes Haften des Korrosionsschutzes garantiert. „Die Cadmierung dauert etwa eine Viertelstunde, die Chromatierung hingegen bis zu 24 Stunden“, so Oeffling.

Für den Brandfall ist der Arbeitsbereich im ersten Stockwerk des Gebäudes insoweit geschützt, dass sich darunter ein Wasserreservoire zum Löschen sowie ein Flüssigkeitsauffangbecken befinden. Glücklicherweise bisher noch nie notwendig gewesen, würden sich in diesem Bassin alle Chemikalien im Bereich des Erdgeschosses sammeln und wirkungsvoll am Versickern ins Erdreich gehindert werden. So bleibt eine Umweltkatastrophe aus und das Grundwasser ist geschützt.

Präzise Messung der Beschichtungsstärke

Wer sich nun fragt, woher die Hitze für einen Brand – zumindest theoretisch – kommen könnte, der werfe einen Blick in die großen Öfen in demselben Gebäude. Nach einigen Bädern bedürfen einige Bauteile einer Wärmebehandlung. „Stahlteile werden in Mineralsäuren gebeizt, um Oxid- und Zunderschichten sowie Rost zu entfernen. Dabei löst sich auch immer Eisen unter Wasserstoffbildung auf. Der Wasserstoff kann das Grundmetall diffundieren und insbesondere gehärtete Teile durch Wasserstoffversprödung so weit beeinträchtigen, dass sie unter Belastung brechen würden. Der in die Teile eingedrungene Wasserstoff muss durch Temperatureinwirkung von etwa 215° C wieder ausgetrieben werden“, erklärt Svenja Oeffling. Doch sein Frühstücksbrötchen aufbacken möchte hier wohl lieber niemand.

Voraussetzungen

  • Hauptschulabschluss mit mindestens guten Noten, mittlere Reife mit mindestens befriedigenden Noten, Fachhochschulreife oder Abitur
  • Auffassungsgabe für physikalische, elektronische und elektrochemische Vorgänge
  • Handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein und Genauigkeit
  • Kommunikationsbereitschaft und Teamfähigkeit

Kontakt

Lufthansa Technical Training
Weg beim Jäger 193
22335 Hamburg
Telefon: 040/50 70 25 20
Fax: 040/50 70 47 46
E-Mail: azubimarketing@ltt.dlh.de
Internet: www.ltt.aero
Online-Bewerbung: www.be-lufthansa.com

In Öfen wird im Material eingelagerter Wasserstoff ausgetrieben

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