© 2008 Adam Piechowski James Bond

James Bond – Ein Quantum Trost

Ein adrett gekleideter Geheimagent mit der Lizenz zum Töten, einer Schwäche für schöne Frauen und geschüttelten, nicht gerührten Wodka Martini: Sean Connery war der charmanteste James Bond aller Zeiten. Ebenfalls zu den klassischen Hauptdarstellern in der 007-Reihe zählt Roger Moore, der immer einen englischhumorigen Spruch auf Lager hatte. Übergangsweise gab es noch eine Folge mit George Lazenby, nach Moore kam Timothy Dalton in den Genuss die Welt zu retten. Dabei waren Lazenby und Dalton eher glanzlose Erscheinungen und für wahre Bond-Fans eher Schönheitsflecken der 007-Filmgeschichte. Dann kam Pierce Brosnan, ein etwas steifer Vertreter, dessen Bond-Girls teilweise autoritärer schienen als er selbst. Vorbei war es mit dem galanten Beschützer im altehrwürdigen Stil.

Mit der Neuverfilmung von Casino Royale stellte sich schließlich Daniel Craig der Herausforderung. Er erntete vom Start weg positive Kritiken. Doch sieht so ein James Bond aus? Sein Schopf ist zu blond, seine Augen zu blau und sein Charakter zu brutal. In Ein Quantum Trost hat er den James Bond von früher wohl endgültig beerdigt. Was hier präsentiert wird, ist nichts weiter als ein – zugegeben gut gemachter – Actionthriller. Natürlich gibt es keinen Kalten Krieg mehr, auf den sich die Geschichten stützen können. Fakt ist jedoch, dass der neue Film alles vermissen lässt, was den Geheimagenten mit der Doppelnull bisweilen ausgemacht hat. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich der Held mit „Mein Name ist Bond. James Bond“ vorgestellt hat und mit allerlei technischem Schnickschnack aus noch so aussichtslosen Situationen zu befreien wusste. Unseren guten alten Tüftler Q gibt es nicht mehr. Auch keinen Nachfolger. Ebenso gilt Miss Moneypenny als verschollen. Kein Glücksspiel mehr. Kein Wodka Martini. Quasi ein Indiana Jones Junior ohne Peitsche und Hut.

Was einen im neuen Kinofilm erwartet? Daniel Craig teilt ordentlich aus, lässt sich aber selbst mehrmals gehörig die Schnauze polieren. Schmerzt aber nicht allzu sehr, weil er sich gerne mal mit Schnaps betäubt. Hinzu kommt, dass Bond scheinbar gar nicht mehr schläft. Immer wieder ertappt man ihn in völlig zerschlissener und verdreckter Kleidung, mit Augenringen, blutverschmiert, verschwitzt. Was allerdings nicht ausschließt, dass er in der nächsten Szene wieder aussieht wie aus dem Ei gepellt. Es wird viel gelaufen, gesprungen, geprügelt, geschossen. Bond kommt immer mit einem blauen Auge davon, selbst wenn er in einem geschlossenen brennenden Raum auf eine nahe gelegene Gasleitung ballert und zur Explosion bringt. Am Ende sind die meisten seiner Gegner tot, verhaftet oder anderweitig ihrem eigenen Schicksal überlassen und der Maestro macht einen eher unspektakulären Abgang. Immerhin hat 007 seine verlorene Liebe aus Casino Royale gerächt. Ob sich Ian Fleming all das so vorstellte, sei einmal dahingestellt. Echte Bond-Fans werden ihren Platz im Kino indes enttäuscht verlassen. Früher war eben alles besser.

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